Schmerz…

Schon am Anfang unserer Ausbildung lernten wir, dass wir jeden Schmerz eines Patienten ernst nehmen müssen, egal wie banal er uns selbst erscheint. (Nur so nebenbei, das heißt dann leider auch, dass ich jeden Mann mit Männerschnupfen ernst nehmen muss…)

Schmerz ist ein seltsames Gefühl. Einerseits kann man ihn mit verschiedenen Skalen messen und einteilen, andererseits empfindet jeder Mensch Schmerz anders. Individuell.

Noch interessanter ist, dass ein psychischer Schmerz, schlimmer sein kann als ein abgetrennter Finger.

Cicely Saunders prägte den Begriff „Total Pain“. Sie meinte damit die Gesamtheit des Schmerzes und Leidens, die Menschen auf allen Ebenen erfahren können. Total Pain ist eine Erfahrung von unendlich, sinnlosem Leiden, das  Isolation und tiefste Verzweiflung zur Folge hat. Wir lernten Saunders und den Begriff „Total Pain“ in der Palliativpflege kennen im Zusammenhang mit sterbenden, schwerkranken Menschen.

Total Pain.

Irgendwie ist mir dieser Begriff sehr vertraut.

Manchmal habe ich das Gefühl, ich darf es gar nicht wirklich aussprechen, wir sehr es mich verletzt hat. Wie sehr mich dieser „Total Pain“ erwischt hat. Darf ich denn wirklich Anspruch haben auf diesen „Total Pain“?

Darf ich in meiner Situation eigentlich wirklich leiden? Also ist es echt fair über meinen Schmerz zu reden, wenn es vielleicht Menschen gibt denen es viel schlechter geht?

 

…Ja.

Denn genau das ist es, um was es geht.

Jeden Schmerz ernst nehmen. Jeder Schmerz ist wirklich da.

Jeder Schmerz kann ähnlich schlimm und heftig sein, ganz egal ob es ein gebrochenes Herz oder eine Fußamputation ist…

 

Leiden und Schmerz sind immer die Voraussetzung umfassender Erkenntnis und eines tiefen Herzens. Mir scheint, wahrhaft große Menschen müssen auf Erden eine große Trauer empfinden.
(Fjodor Michailowitsch Dostojewski)

 

 

 

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