immer mehr…

„Suchen überall, finden scheinbar nichts
Was uns halten kann, was uns das verspricht
Was wir wirklich woll’n, wonach wir alle suchen
Kriegen nie genug, denn wir woll’n immer mehr…“

Eigentlich wollte ich nie über Dinge schreiben die in jedem 2. Song thematisiert werden, aber dieses Thema ist so präsent in meinem Leben, dass ich irgendwie nicht drum herum komme.

Ich werde immer wieder mit Menschen konfrontiert die scheinbar nie wirklich glücklich sind. Menschen die sich nicht binden wollen weil sie das Gefühl haben, da ist noch mehr. Menschen die nie zur Ruhe kommen. Die nie genug kriegen, die irgendwie nie glücklich sein können mit den Dingen die sie jeden Tag für selbstverständlich halten.

Ich weiß gar nicht wie ich anfangen soll weil das Thema mich so beschäftigt und es so viele verschieden Facetten gibt… Und ganz ehrlich hab ich das blöde Gefühl, dass dieser Blog Eintrag nicht so kontrollierbar ist wie die anderen… Trotzdem beschäftigt mich dieses Thema sehr. Leben wir wirklich in einer Wegwerfgesellschaft? Ist es uns wirklich wichtiger groß raus zu kommen, Karriere zu machen als einfach zuhause im Garten zu sitzen und mit dem was wir haben glücklich zu sein? Warum verlassen wir Menschen – einfach so – nur wegen dem Gedanken „he, vielleicht ist da draußen mehr…“

„Wenn wir ihn dann finden, können wir nicht bleiben
Wollen uns nicht binden, weil wir dann vielleicht
Etwas verpassen könn’n, was irgendwo noch ist
Was wir sonst vermissen, weil es nicht uns gehört“

Rein physiologisch konnte ich ja schnell eine Lösung finden. Der Ort in unserem Gehirn, der uns nach Anerkennung und Ruhm lechzen lässt, ist der Gleiche, der Menschen auch nach Drogen süchtig werden lässt: Es ist eine Struktur in der Mitte des Hirns, deren Nervenzellen den Botenstoff Dopamin ausschütten. Diese Gehirnstruktur nennt man „Substantia Nigra“. Dopamin löst ein Gefühl von Glück und Stärke aus. Wir fühlen uns gut, wir sind glücklich und wir wollen natürlich immer mehr von diesen Gefühl. Dopamin gibt uns Antrieb Dinge anzupacken. Neurobiologische Studien zeigen, dass nichts das Motivationssystem so sehr aktiviert, wie von anderen gesehen und sozial anerkannt zu werden…

Studien zeigen aber auch, dass die Fähigkeit zum Glücklich sein zu einem großen Teil angeboren ist. (Heißt das dann, dass manche von uns keine so tolle, große Substantia Nigra besitzen?) Das wiederum würde erklären, warum manche Menschen mit nur wenig, schon sehr glücklich sein können und andere eben nicht.

Fakt ist, dass Menschen wie diese, immer irgendwie andere damit verletzten. Sei es mit ihrem Egoismus oder viel schlimmer, wenn sie andere einfach links liegen lassen, nur weil sie denken sie finden etwas Besseres. Dies ist auch der Grund warum es mich so beschäftigt. Mir wird immer mehr bewusst, dass wir in einer Zeit leben, in der wir einfach nicht schätzen können was wir schon haben. Wir können uns nur schwer über kleine Dinge freuen. So wenige sind dankbar für das was sie besitzen. So viele denken, dass all das zu wenig ist…

Ich denke, dass solche Menschen nie wirklich dort ankommen wo sie hin wollen. Leider befriedigt mich diese Tatsache nicht wirklich.

Wenn wir der Studie aber glauben, wissen wir jetzt zumindest, dass sie vielleicht gar nichts dafür können.

Ich glaube mit dieser Tatsache kann ich dann schon eher leben.

 

 

2 Kommentare zu „immer mehr…

  1. Ich denke dass das zum Teil auch durch die Gesellschaft geprägt wird. In einer Gesellschaft wo nur das zählt was du hast, was du dir leistest, usw. um Anerkennung zu bekommen wird oftmals „über Leichen“ gegangen und verletzte Gefühle werden als Kollateralschäden angesehen.

    Das von dir geschriebene „Menschen die nie zur Ruhe kommen.“ habe ich bei anderen auch schon mehrmals erkannt. Es ist wahrlich eine Kunst „sich fallen lassen“ zu können und die Zufriedenheit mit der jeweiligen Lebenssituation zu akzeptieren. Meistens wird das – meinen Erfahrungen nach – einfach durch verletzte Gefühle „verlernt“ um sich selbst zu schützen.

    Wie immer toll geschrieben, danke für die Anregung(en) zum drüber nachdenken!

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  2. Hey! Also erstmals sorry fürs ewig spät antworten. Ich denke du hast Recht… Die Gesellschaft sagt uns was gut ist was schlecht ist und wir haben das Gefühl da ist immer mehr. Und ich denke auch, dass verletzte Gefühle daran Schuld sind. Traurige Tatsachen. Traurige Menschheit. 😦

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